Die Samen auf dem Rückzug
Die moderne Zeit hat auch das Leben in der Finnmark verändert. Der ökonomische und technische Fortschritt hat den nördlichsten Landstrich Europas erreicht. In Katokeino gibt es eine Fabrik zur Verarbeitung und Vermarktung von Rentierprodukten. Früher kennzeichnete der Rentierzüchter seine Tiere dadurch, dass er ein bestimmtes, nur für ihn geltendes Zeichen in das Ohr des jungen Tieres schnitt. Die Abschnitte wurden gut aufbewahrt. Konnte er so stets sein Eigentum beweisen, sieht man jetzt immer öfter Rentiere mit bunten Kunststoffclips im Ohr. Noch vor zehn Jahren reichten 300 Tiere aus, um eine ganze Großfamilie zu ernähren. Heute braucht der Züchter mindestens 600 - 700 Tiere. Die Renzucht ist damit zum kapitalintensiven Erwerbszweig geworden und wird nur noch von wenigen Samis betrieben.
Die Menschen hinter dem nördlichen Polarkreis sind inzwischen selbstbewußter geworden. Sie versuchen auch in der Politik mitzureden indem sie samische Listen für die Parlamentswahlen aufstellen (Sameting) und gegen ihrer Meinung nach unsinnige Modernisierungsprojekte protestieren. In den siebziger führten bereits massive Proteste dazu, dass ein großes Staudammprojekt bei Alta zumindest geändert wurde. Dem so verhinderten Plan sollt eine ganze Ortschaft zum Opfer fallen. Dieser Streit um den Alta-Staudamm war die erste, organisierte Demonstration gegen die Zerstörung der natürlichen Ressourcen. Sie konnte zwar nicht das gesamte Projekt verhindern, führte aber dazu, dass diese ethnische Minderheit in Norwegen größere Beachtung fand.
Es gibt Zeitungen in Samischer Sprache, ("Min Agi", "Assu") , Rundfunk und alle modernen Kommunikationsmittel. Der erste samische Film, "Pathfinder" wurde für den Oskar vorgeschlagen.

