Beim Renkappsjøring
Am Start ist Daavi mit der Nr. 34. Das Verhalten seines gehörnlosen Rentiers ähnelt eher dem eines störrischen Esels, als dem aus den Weihnachtsgeschichten bekannten Rentier Rudolf. Während drei starke Männer in Rentiermänteln gekeidet versuchen, das Tier festzuhalten, unternimmt dieses alle Anstrengungen sich immer wieder aufzurichten und auf die Hinterbeine zu stellen. Daavi, der Renzüchter möchte heute den Weltpokal gewinnen und versucht unterdessen auf dem hölzernen Schlitten den Halt zu finden, den er braucht, um die ganze Strecke von etwa drei Kilometern Länge bäuchlings liegend auf dem Schlitten zu bewältigen. Während er sich mit der rechten Hand am Schlitten festhält, gibt er mit der rechten, stockbewehrten Hand das Zeichen zum Start.
Die starken Männer lassen das Tier los, die Uhr läuft, und das Rentier mit der ganzen Wildheit seiner Vorfahren im Blute rennt zunächst wunschgemäß in die richtige Richtung, die durch ein seitliches Gatter vorgegeben ist. Das sind etwa einhundert Meter. Dann strengt sich das Tier an, aber nicht um das Ziel zu erreichen, sondern um erst nach links, und dann nach rechts auszubrechen. Mit seinem Stock versucht Daavi das Ren in der richtigen Richtung zu halten, was ihm allerdings nicht gelingt. Bereits wenige Sekunden nach dem Start schlingert der Schlitten. Schließlich bricht er aus dem Parcour nach rechts aus, und der Fahrer fliegt im hohen Bogen vom Schlitten und findet sich im metertiefen Schnee wieder.
Das Rentier in seiner Panik rennt mistamt leerem Schlitten durch eine Gruppe junger Leute, die hier auf dem Schnee bei einer Temperatur um 8 Grad minus am Lagerfeuer auf Rentierfellen sitzen und ein fröhliches Picnic veranstalten. Zwei Männer auf ihren Motorschlitten, fahren dem flüchtenden Tier hinterher und haben dieses bereits wenige Minuten nach ihrem Ausbruch mit dem Lasso wieder eingefangen und können es dem rechtmäßigen Besitzer übergeben.
Daavi ist nur einer von 62 Startern um den Weltcup im internationalen Rentierschlittenrennen. Gewonnen hat in diesem Jahr Bjørnar Sveek aus Karasjok. Er schaffte den Rundkurs in der neuen Bestzeit von 2.58.23 min.
Anfang April ist es in Gouvdageeidnu (Kautokeino) zwar noch Winter, tagsüber aber bereits zwölf stunden hell. Die Temperaturen sind noch winterlich, im Gegensatz zu ständigen Dunkelheit des Winters und der beißenden Kälte, die nicht selten - 40 Grad Celsius erreicht, ist das Wetter um diese Zeit schon erträglich. Oftmals liegen die Temperaturen tagsüber nur wenige Grade unter dem Gefrierpunkt, während es nachts allerdings noch empfindlich kalt wird.

